Viertes Flugblatt - Weisse Rose

Created
December 2, 2021 02:20 PM
Study time
Dec 2, 2021 → Dec 4, 2021
Deadline
Dec 3, 2021
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Inhalt und Struktur

1.
Redewendung "wer nicht hören will, fühlen muss". → aus Fehlern sollte man lernen. Etwas wie das NS-Regime kann sich nie wiederholen.
2.
informieren über die Erfolge, die Hitler in Afrika und Russland anrichtete. → Normale Bevölkerung steht optimistisch zu Hitler
3.
Autoren warnen vor dem Optimismus. "Dieser scheinbare Erfolg ist unter den grauenhaftesten Opfern erkauft worden, so dass er schon nicht mehr als vorteilhaft bezeichnet werden kann." 59
4.
informiert dass die Mächtigen sich nicht um die Opfer kümmern. Hitler beraubte die Mütter ihrer Söhne, dann verurteilte er diese Söhne zum sinnlosen Tode und jetzt belügt er diese Mütter.
5.
beschäftigt sich vor allem mit dem Thema des Bösen. Nationalsozialismus wird mit der Hölle verglichen: "Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert an die Stunde, da der Mensch schwach wird...da er dem Druck des Bösen nachgibt..."60 
Die Verfasser fordern auf, sich vom Bösen abzuwenden und zu dem Gott sich zuzuwenden. "Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott..."61 
Es ist notwendig an Gott und Gottes Hilfe zu glauben.
6.
Verfasser stellen Gott eine Frage, ob es noch Hoffnung gibt. Ein Angriff auf Hitler sei notwendig: "Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers."62
7.
Zitat aus der Luther Bibel 63→ Behandelt das Unrecht, dass an den einfachen Menschen verübt wird.
8.
Zitat von Novalis Anarchie wird behandelt. "Sollte etwa die Hierarchie... das Prinzip des Staatsvereins sein?"64 
Die Situation in Europa wird so bewertet, dass sie wirklich schlecht sein muss, bevor die Menschen beginnen, etwas zu tun. Der Glaube kann Europa retten: "Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das Völkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren."65
9.
Behandeln das Thema der wiedergeborenen deutschen Nation. Die Deutschen müssen ein Bewusstsein ihrer Schuld haben. Nicht nur Adolf Hitler und seine Anhänger müssen strikt bestraft werden, sondern auch alle, die diesem System helfen: "Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt euch die Namen, auf dass keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre! "66
Am Ende beruhigen die Verfasser die Leser, dass die Adressen nicht schriftlich gespeichert sind und drohen den Anhängern des Regimes, dass sie ihnen keine Ruhe lassen.

Sprache

Die Empfänger sind gebildete Studenten. Der Inhalt des vierten Flugblatts behandelt unter anderem auch religiöse Fragen wie die Existenz und der Wahrheit Gottes beschäftigt. Es kann angenommen werden, dass die Empfänger Theologisch vorgebildet sind. Der Text gibt eine klare Botschaft wieder, und ist durch verschiedene, klar abgetrennte Absätze, einfach zu verstehen.
 

globale Themen

Der Inhalt dieses Flugblatts wurde von den Erfolgen Hitlers in Afrika und Russland beeinflusst. Die Stimmung der Deutschen war nach diese Ereignissen positiv geprägt, welche Aussage die Weisse Rose verachte zu contra-argumetieren.
(Opfer, die Hölle, "der wahre Gott", Unrecht, Europa)
 

Hauptideen

•
der Krieg ist eine reale Existenz der dämonischen Macht- die Anhänger des Systems auch "die kleinen Schurken" genannt, müssen bestraft werden
•
Schuldbewusstsein soll entwickelt werden
•
religiöse Werte können Europa retten
 

Quelltext und Stielmittel

Es ist eine alte Weisheit, die man Kindern immer wieder aufs neue predigt, dass, wer nicht hören will, fühlen muss. Ein kluges Kind wird sich aber die Finger nur einmal am heißen Ofen verbrennen. In den vergangenen Wochen hatte Hitler sowohl in Afrika, als auch in Rußland Erfolge zu verzeichnen. Die Folge davon war, dass der Optimismus auf der einen, die Bestürzung und der Pessimismus auf der anderen Seite des Volkes mit einer der deutschen Trägheit unvergleichlichen Schnelligkeit anstieg. Allenthalben hörte man unter den Gegnern Hitlers, also unter dem besseren Teil des Volkes, Klagerufe, Worte der Enttäuschung und der Entmutigung, die nicht selten in dem Ausruf endigten: „Sollte nun Hitler doch ...?“ Indessen ist der deutsche Angriff auf Ägypten zum Stillstand gekommen, Rommel muss in einer gefährlich exponierten Lage verharren aber noch geht der Vormarsch im Osten weiter. Dieser scheinbare Erfolg ist unter den grauenhaftesten Opfern erkauft worden, so dass er schon nicht mehr als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Wir warnen daher vor jedem Optimismus. Wer hat die Toten gezählt, Hitler oder Goebbels – wohl keiner von beiden. Täglich fallen in Rußland Tausende. Es ist die Zeit der Ernte, und der Schnitter fährt mit vollem Zug in die reife Saat. Die Trauer kehrt ein in die Hütten der Heimat und niemand ist da, der die Tränen der Mütter trocknet, Hitler aber belügt die, deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben hat. Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle, und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muss man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen, logischen Überlegungen steht das Irrationale, d. i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrists. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verlässt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit – überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst. Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner höchsten Güter ein Zögern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung in der Hoffnung, dass ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers.
„Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster; und die ihnen Unrecht taten, waren so mächtig, dass sie keinen Tröster haben konnten. Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten ...“ (Sprüche)
Novalis: „Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor... Wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten, eine politische Wissenschaftslehre bevorstände! Sollte etwa die Hierarchie ... das Prinzip des Staatenvereins sein? ... Es wird so lange Blut über Europa strömen, bis die Nationen ihren fürchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreis herum- treibt, und von heiliger Musik getroffen und besänftigt zu ehemaligen Altären in bunter Vermischung treten, Werke des Friedens vornehmen und ein großes Friedensfest auf den rauchenden Walstätten mit heißen Tränen gefeiert wird. Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das Völkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren.“
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Weiße Rose nicht im Solde einer ausländischen Macht steht. Obgleich wir wissen, dass die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden muss, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muss aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. vorausgehen. Mit aller Brutalität muss die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, aufgerissen werden. Für Hitler und seine Anhänger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre. Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muss nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, dass niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergesst auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf dass keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre! Zu Ihrer Beruhigung möchten wir noch hinzufügen, dass die Adressen der Leser der Weißen Rose nirgendwo schriftlich niedergelegt sind. Die Adressen sind willkürlich Adressbüchern entnommen. Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!